Ereignisse

Abschuss über dem Jura

Die Maschine mit dem Kennzeichen R+D wurde von Schweizer Jägern in der Nähe von Moutier abgeschossen.

Die bis auf den Hinterrumpf vollständig zerstörte deutsche R.S.14 nach dem Absturz auf den Juraweiden bei Champoz. (343_1)

Die bis auf den Hinterrumpf vollständig zerstörte deutsche R.S.14 nach dem Absturz auf den Juraweiden bei Champoz. (343_1)

Im Januar 1944 standen die Flieger-Kompanien 16 und 17 auf ihren Kriegsstützpunkten Münster, Raron, Turtmann und Ulrichen im Aktivdienst. Für den Neutralitätsschutz war eine Staffel des Überwachungsgeschwaders in Dübendorf auf Pikett gestellt, welche ständig eine Doppelpatrouille D-3801 einsatzbereit zu halten hatte. In Payerne wurde zum gleichen Zweck eine Staffel bereitgehalten, welche sich aus acht freiwillig Dienst leistenden Piloten der Fliegerabteilung 5 zusammensetzte. Im ersten Monat des Jahres 1944 wurden 66 Grenzverletzungen registriert.Am 1. Januar 1944 sollten der deutsche Oberfeldwebel Heinrich Danken und sein Bordmechaniker Unteroffizier Pauke den Aufklärer Fiat R.S.14 MM35750 mit dem Kennzeichen R+D vom Ärmelkanal nach Friedrichshafen am Bodensee überführen.

Bei teilweise schlechter Witterung gelangte die Besatzung aber weiter südwestlich als geplant und verlor bald die Orientierung. Die R.S.14 flog bei Les Verrieres in die Schweiz ein, überflog dann auch St. Aubin und Neuenburg. Um 14.37 Uhr entdeckten Besatzungen der in Payerne stationierten Gruppe Schädler die in nordwestlicher Richtung fliegende Maschine auf etwa 1500 m Höhe über dem Jura. Das Wetter war zu dieser Zeit bedeckt, und von Westen her war eine Kaltfront im Anzug.Um 14.38 Uhr starteten von Payerne zwei Doppelpatrouillen mit Morane D-3801, zu welchen sich später noch eine fünfte Maschine gesellte. Die folgenden Schweizer Piloten waren an dieser Neutralitätsschutz-Mission beteiligt: Oblt. Dättwyler (J-200), Lt. Bär (J-164), Lt. Eha (J-163), Lt. Meierhofer (J-189) und Lt. Bach (J-160). Das deutsche Flugzeug im Auge behaltend, platzierten sich die Schweizer etwa 800m über der R.S.14. Dann stachen Lt. Bär und Lt. Eha links und rechts neben die Schwimmermaschine herunter und flogen für einige Sekunden auf gleicher Höhe parallel zum Eindringling. Die Piloten schwenkten die Moranes um die Längsachse, um die deutsche Besatzung auf die Schweizer Hoheitszeichen aufmerksam zu machen.Bär und Eha identifizierten die Maschine anhand der Hoheitskennzeichen als Deutsche. Nach einigen Sekunden schoss die Fiat eine weisse Signalrakete ab. Dies bedeutete, dass die Besatzung die Schweizer Eskorte bemerkt hatte und auch bereit war, ihr zu folgen.

Eine R.S. 14 wie sie bei Champoz abgeschossen wurde. (344_1)

Eine R.S. 14 wie sie bei Champoz abgeschossen wurde. (344_1)

Plötzlich jedoch begann der Bordmechaniker mit seinem 12,7mm-Mg auf den links neben ihm fliegenden Lt. Bär zu schiessen. Die Garbe lag aber glücklicherweise ungenau. Gleichzeitig riss Oberfeldwebel Danken die Maschine scharf nach links herum. Mit diesem für die Schweizer überraschenden Manöver in der Gegend von Moutier wollte die deutsche Besatzung die Morane-Piloten übertölpeln und nach Frankreich entkommen. Die Grenze lag ja nur knappe zwanzig Kilometer weiter nördlich.Sofort gingen Lt. Bär und Lt. Eha zum Angriff über und eröffneten aus erhöhter Position das Feuer auf die deutsche Maschine. Schon bald entwickelte sich starker Rauch an beiden Motoren und den Tragflächen. Die R.S.14 verlor schnell an Höhe und legte sich auf den Rücken.Da die Morane Piloten im ersten Moment an eine Finte glaubten, ging auch die zweite Patrouille von Lt. Meierhofer und Lt. Bach sowie Oblt. Dättwyler zum Angriff über. Wegen Ladehemmungen an den Mgs konnte Lt. Bach nur seine 20mm-Kanone gegen die gegnerische Maschine benützen.

Total wurden von Schweizer Seite 138 Schuss Kanonen- und 491 Schuss Mg-Munition in diesem Luftkampf verschossen.Um 14.45 Uhr schlug die schwer beschädigte Maschine bei Champoz, sechs Kilometer südwestlich von Moutier, auf und verbrannte praktisch vollständig. Die Besatzungsmitglieder, die vermutlich schon im Luftkampf verletzt oder getötet worden waren, konnten nur noch als verkohlte Leichen geborgen werden. Ihre sterblichen Überreste wurden später nach Deutschland überführt.Die Schweizer Untersuchungskommission konnte anhand der im Wrack aufgefundenen leeren Patronenhülsen unschwer erkennen, dass die deutsche Besatzung auf die Schweizer geschossen hatte. 115 Hülsen vom Kaliber 12,7mm wurden gefunden. So verfeuerte Unteroffizier Pauke rund ein Drittel des ihm zur Verfügung stehenden Munitionsvorrates von 350 Schuss. Die fünf D-3801 landeten zwischen 15.03 und 15.07 Uhr in Payerne.


Ereignissdatum 1.1.1944
Ereignisszeit 14.50
Ort Moutier
Kanton JU
Ereignis Absturz
Nation Italien
Flugzeugart Jäger
Flugzeugtyp Fiat R.S.14
Flugzeugbezeichnung Fiat R.S.14
Basis Ärmelkanal (F)
Auftrag Überführungsflug
Einsatzziel Friedrichshafen (D)
Rückkehr in der Schweiz verschrottet
Werknummer MM 35750
Kennzeichen R+D
CH Archiv Nr. D028
Besatzung Pilot: Heinrich Dannken, Oberfeldwebel, im Kampf gestorben
Bordmechaniker: Pauke, Unteroffizier, im Kampf gestorben
Quelle Fremde Flugzeuge in der Schweiz
Autor Theo Wilhelm