Ereignisse

Fiat C.R.42 der Deutschen Luftwaffe

Die Maschine ist auf einem Überführungsflug nach Mannheim vom Kurs abgekommen und bei Andelfingen notgelandet. Das Flugzeug wurde nach Kriegsende in der Schweiz verschrottet.

Die Notlandestelle der C.R.42 in der Nähe von Andelfingen. (323_1)

Die Notlandestelle der C.R.42 in der Nähe von Andelfingen. (323_1)

Nach der Besetzung Italiens durch die Wehrmacht befanden sich etwa zweihundert Fiat C.R.42 intakt auf verschiedenen Plätzen. Dazu wurden noch weitere 112 Einheiten im Auftrag der Luftwaffe unter der Bezeichnung C.R.42/LW gebaut. Die Fertigung dieser Maschinen lief im Frühling 1944 aus. Ein Teil der in Endmontage befindlichen C.R.42/LW wurde am 25. April 1944 bei einem Angriff von B-24 Liberator zerstört.Die beim Einmarsch vorgefundenen C.R.42 wurden mit deutschen Kennzeichen versehen, wobei aber die italienische Tarnbemalung und die Werknummer beibehalten wurden. Ein Grossteil dieser Maschinen fand bei Fliegerschulen im Reich Verwendung. Einige flogen allerdings bei der A.N.R.Am 14. Februar 1944 sollte Unteroffizier Erich Stein zusammen mit sechs weiteren Piloten fabrikneue oder werkrevidierte Fiat C.R.42 auf einer letzten Überführungsetappe von Crailsheim nach Mannheim-Sandhofen überführen. Diese Maschinen waren für die 3.Gruppe des Jagdfliegergeschwaders 106 bestimmt, welches auf diesem Platz Ausbildung für zukünftige Jägerpiloten betrieb.

Bei der Notlandung im weichen Ackerboden überschlug sich der Fiat-Doppeldecker und blieb in der Fliegerdenkmal-Stellung liegen. Der deutsche Pilot blieb jedoch unverletzt. (323_2)

Bei der Notlandung im weichen Ackerboden überschlug sich der Fiat-Doppeldecker und blieb in der Fliegerdenkmal-Stellung liegen. Der deutsche Pilot blieb jedoch unverletzt. (323_2)

Der Überführungsflug führte die Männer von Turin über Vicenza nach München-Riem. Das schlechte Wetter zwang die Piloten auf dem Weg nach Mannheim-Sandhofen in Crailsheim zu einer unplanmässigen Zwischenlandung. Dies war die übliche Route zur Ablieferung der C.R.42. In den meisten Fällen geschah die Überführung durch italienische Piloten, jedoch unter Führung eines deutschen Fliegers. Trotz dem schlechten Wetter und dem Abraten der Flugleitung in Crailsheim starteten die sieben Fiat um 11.30 Uhr und waren schon bald dem Unbill der Witterung ausgesetzt. Beim Versuch einem Schneegestöber im Tiefflug auszuweichen, gerieten die Flugzeuge zu weit südwestlich. Das Glück war der Formation nicht hold, denn kurz nach dem Start machte die Maschine mit der Werknummer MM90829 infolge einer Motorenstörung bei Crailsheim Bruch. Der Pilot blieb unverletzt, aber an der Maschine entstand erheblicher Schaden. Das schlechte Wetter und der für Überlandflüge wenig geeignete rudimentäre Nistro-Omni-Kompass führte zu zwei weiteren Verlusten. Eine C.R.42 mit der Werknummer MM90873 musste wegen Treibstoffmangels bei Eutingsheim eine Notlandung vornehmen, wobei gut ein Viertel des Flugzeuges beschädigt wurde. Unteroffizier Erich Stein beendete seinen Überführungsflug in die Schweiz, womit nur gerade vier Maschinen den Bestimmungsort erreichten. Nachdem Erich Stein im Schneegestöber auch noch Probleme mit dem Kompass gehabt hatte, entschloss er sich, bei Erreichen des Rheins diesem flussabwärts nach Mannheim zu folgen. Der Flugzeugführer, im Zivilberuf Bauer, hatte schon 41 derartige Überführungsflüge gemacht. Die Nadel des Treibstoffanzeigers näherte sich schon bedenklich der Nullmarke, doch der Rhein kam nicht in Sicht. Ohne Absicht flog Stein um 13.05 Uhr bei Diessenhofen in die Schweiz ein.

Die am 14. Februar 1944 bei Andelfingen capotierte deutsche C.R.42 MM90823. (324_1)

Die am 14. Februar 1944 bei Andelfingen capotierte deutsche C.R.42 MM90823. (324_1)

Mit leerem Haupttreibstofftank versuchte er, bei Andelfingen eine Notlandung durchzuführen. Kurz nach der Bodenberührung überschlug sich die Maschine im weichen, schneebedeckten Ackerland, wobei das Heck abgeknickt wurde. Der Pilot blieb bei der Bruchlandung unverletzt. An der C.R.42 mit der Werknummer MM90823 wurden Beschädigungen von ca. 70-80% festgestellt. Es handelte sich dabei um eine in Turin revidierte Maschine, welche zuvor bei den italienischen Streitkräften Dienst getan hatten. Für den Überführungsflug war keine Funkanlage eingebaut worden, auch wurde keine Munition mitgeführt.Der unfreiwillige Abstecher in die Schweiz war dem Piloten äusserst peinlich. Nach einer gründlichen Einvernahme durch Offiziere des Nachrichtendienstes und einem kurzen Aufenthalt in einem Internierungslager konnte Unteroffizier Stein wieder in seine Heimat zurückkehren. Die Überreste seines Doppeldeckers wurden nach der obligaten Untersuchung durch Spezialisten der Flugwaffe in einem Hangar in Kloten eingelagert und nach Kriegsende dem Altmaterial zugeführt.


Ereignissdatum 14.2.1944
Ereignisszeit 13.10
Ort Andelfingen
Kanton ZH
Ereignis Notlandung
Nation Italien
Flugzeugart Jäger
Flugzeugtyp Fiat C.R.42
Flugzeugbezeichnung Fiat C.R.42
Basis Crailsheim (D)
Auftrag Überführungsflug
Einsatzziel Mannheim (D)
Rückkehr in der Schweiz verschrottet
Werknummer MM 90823
CH Archiv Nr. D031
Besatzung Pilot: Erich Stein, Unteroffizier
Quelle Fremde Flugzeuge in der Schweiz
Autor Theo Wilhelm