Ereignisse

Ueber einhundert Einschüsse

Der Bomber mit dem Kennzeichen F und dem Übernamen „Brown Nose“ ist nach einem Einsatz über München in Dübendorf gelandet und in der Schweiz verschrottet worden.

"Brown Nose" war bereits schwer beschädigt als sie zur Landung ansetzte und hatte zwei Verwundete an Bord. (184_1)

„Brown Nose“ war bereits schwer beschädigt als sie zur Landung ansetzte und hatte zwei Verwundete an Bord. (184_1)

Der Bomber der 15th Air Force, 464th Bomb Group mit dem Kennzeichen F und dem Übernamen „Brown Nose“ ist nach einem Einsatz über München in Dübendorf gelandet und in der Schweiz verschrottet worden. 1st Lt Samuel B. Peskin steuerte „Brown Nose“ nach München. Sein Bordmechaniker Sgt Joseph Z. Krajewski erinnert sich: Nachdem wir die Formation aufgebaut hatten, flogen wir nach München. Wir hatten schwere Flak vor uns und wurden von vier Granaten direkt getroffen. Wir hatten gerade die Bombenschachttore geöffnet, als wir das erste Mal getroffen wurden. Ich sass an der Funkerkonsole, hinter dem Copiloten, Lt Frank Hoch, als dieser auf seinem Sitz getroffen wurde. Ich wurde oberhalb der Augenbraue von einem Splitter getroffen und das Blut rann mir übers Gesicht. Beide Hydraulikbehälter wurden getroffen und fingen Feuer. Das konnten wir aber schnell löschen. Der Navigator 2nd Lt Earl Thompson öffnete die Bugradklappen. So konnten wir im Notfall sofort aussteigen. Die Flak schoss uns unter dem Flügel ein Loch in den Rumpf. Dieses reichte von der Nase bis zum Bombenschacht. Eine weitere Explosion über unserer Maschine verletzte unseren Frontschützen Sgt Louis E. Loftiss und traf den Bombenschützen Lt Kyle Abernathy in den rechten Arm. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits drei Motoren ausgefallen und wir begannen zu sinken. Der Copilot Frank Hoch lag bewusstlos auf dem Durchgang und so setzte ich mich auf den Copilotensitz und half dem Piloten. Dieser musste echt kämpfen damit er das Flugzeug unter Kontrolle halten konnte. Das Flugzeug fiel steil aus 21’000 Fuss auf 14’000 Fuss herunter bis wir zwei Motoren wieder starten konnten. Motor Nummer 3 konnten wir nicht mehr starten weil eine Granate das Triebwerk und den Flügeltank zerstört hatte.

Die Nose Art der

Die Nose Art der „Brown Nose“. (184_2)

Der Duft des ausgeflossenen Treibstoff bereitete sich im Bombenschacht aus und es bestand grosse Explosionsgefahr. Als wir unsere Fluglage stabilisiert hatten, kam auch der Copilot wieder zu sich und nahm seinen Posten wieder ein. Jetzt mussten wir unsere Bomben so schnell wie möglich loswerden. Da das Bombenpanel zerstört war, musste ich mit einem Schraubenzieher alle zehn 500 Pfund Bomben auslösen. Funker Sgt Ray Menzl hatte den Posten des rechten Schützen eingenommen und wurde am Bein getroffen. Nach dem Umpumpen des Treibstoffs in die inneren Tanks meldete mir der Schütze Sgt Norman Gibbard, dass mich Peskin wieder im Cockpit braucht. Die rechte Seite hatte weitere Treffer abbekommen. Der Pilot fragte den Navigator 1st Lt William Thompson für einen Kurs Richtung Frankreich, da die Leistung der Motoren und der Treibstoffvorrat einen Rückflug über die Alpen nicht mehr zuliess. Über Friedrichshafen wurden wir wieder von der Flak angegriffen, jedoch nicht getroffen. Der Navigator und der Bombenschütze leisteten dem Frontschützen Louis Loftiss erste Hilfe. Der hatte gar nicht gemerkt, dass er in Arm und Schulter getroffen war. Er war daher ohnmächtig geworden. Damit wir noch etwas Höhe halten konnten, mussten wir alle unnötigen Dinge aus dem Flugzeug werfen. Plötzlich schrie der Topschütze Sgt Michael D. Mitchell herunter, dass an unserer Seite zwei Me-109 fliegen. Ich lud die Signalpistole und schoss eine Signalrakete ab. Ich hoffte dabei, dass ich nicht das ganze Flugzeug in die Luft sprengen würde und dass die Jäger das Signal verstanden. Die Jäger flogen näher an unsere Seite und kippten ihre Flügel. So konnten wir das weisse Kreuz auf rotem Grund sehen.

Schweizer – wir waren überglücklich. Weil unsere Funkanlage zerstört war, konnten wir keinen Kontakt aufnehmen, aber ein entsprechendes Daumenzeichen erklärte alles und wir folgten der Maschine nach Dübendorf. Ich musste das Hauptfahrwerk von Hand ausfahren und wir mussten dreimal das Flugfeld umkreisen. In der Zwischenzeit mussten die Me-109 landen. Schlussendlich flogen wir das Flugfeld mit 170 mph an – normal wären 125 mph – und wir hatten keine Kontrolle mehr über die Flaps und die Bremsen funktionierten auch nicht. Am Ende der Landebahn war ein Wassergraben und da liessen wir unser Bugrad liegen. Kurz vor den ersten Bäumen blieb die Maschine stehen. Nach der Landung wurden die verwundeten Besatzungsmitglieder in ein Spital gebracht. Die Bodenmannschaft zählte über hundert grössere und kleinere Einschüsse.


Ereignissdatum 4.10.1944
Ort Dübendorf
Kanton ZH
Ereignis Landung
Nation Amerika
Flugzeugart Bomber
Flugzeugtyp B-24 Liberator
Flugzeugbezeichnung B-24 H-15-FO
Flugzeug-Spitzname Brown Nose
Einteilung 15th Air Force, 464th Bomb Group, 778th Squadron
Basis Patanella (I)
Auftrag Bombardierung
Einsatzziel München (D)
Rückkehr in der Schweiz verschrottet
Werknummer 42-52485
Kennzeichen F
CH Archiv Nr. A140
US MACR Nr. 464
Besatzung Pilot: Samuel D. Peskin, 2nd Lt
Copilot: Frank L. Hoch, 2nd Lt
Navigator: Earl G. Thompson, 2nd Lt
Bombardier: Kyle G. Abernethy, 2nd Lt
Nose Gunner: Lous E. Loftiss, Sgt
Radio: Raymond A. Menzl, S/Sgt
Engineer: Joseph Z. Krajewski, S/Sgt
Top Turret: Michael D. Mitchell, T/Sgt
Ball Turret: Jimmy A. Smith, Sgt
Tail Gunner: Norman P. Gibbard, Sgt
Quelle Cockpit
Autor Hans-Heiri Stapfer